Die Programmseite eines Hamburger Events, nennen wir es xyzcamp. Sie beginnt so: „Wir sind Techies. Wir lieben Technologie und wollen wissen, was möglich ist. Das xyzcamp ist Techkonferenz, Barcamp und Get Together für und von der Hamburger IT-Community mitten auf St. Pauli. Eine kleine Auszeit und Oase, mal weg vom Rechner mit Erfahrungsaustausch IRL."
Darunter der Schedule. Zwei Tage Ende August, vier Räume, von 10:15 bis 18:15 Uhr durchgetaktet in 30-, 45- und 60-Minuten-Slots. Jeder Slot heißt „Session" und hat einen Namen, einen Titel, ein Level von „Introductory" bis „Advanced" und eine Sprache. Gut 50 Vortragende, Wochen vor dem Termin. Ich habe die Seite zweimal durchgescrollt und nach dem Barcamp gesucht. Zwei Kacheln mit „Session loading 👀", das war’s. Ticket: 119 Euro der Tag, 199 für beide, zuzüglich Steuer.
Ich will dem Orga-Team nichts. Das Programm liest sich wie eine gute Techkonferenz, und genau das ist der Punkt: Es ist eine. Das richtige Wort steht schon in der eigenen Beschreibung: Techkonferenz. Das Wort danach ist zu viel. Nichts an dieser Konferenz deutet auf ein Barcamp hin. Außer, man nimmt Bar und Camp wörtlich.
Das passiert gerade oft. Der Begriff Barcamp zieht. Er klingt nach Mitmachen, nach Augenhöhe, nach allem, was die klassische Konferenz nicht ist. Also klebt er auf vielen Veranstaltungen, die bei Licht besehen eigentlich genau das sind: klassische Konferenzen. Der Vorname auf dem Namensschild, die Kaffeeflat und das Wort Session im Programm machen noch kein Barcamp.
Ein Maßstab aus den 2000ern
Wer sagt eigentlich, was ein Barcamp ist? Es wäre billig, das Format so zu definieren, dass am Ende genau die Events durchfallen, die mir nicht gefallen. Deshalb kommt der Maßstab nicht von mir. Er ist von 2005, steht öffentlich im alten BarCamp-Wiki und passt auf eine Seite.
Tim O’Reilly lud damals zum Foo Camp, Friends of O’Reilly, Teilnahme nur auf Einladung. 2005 standen ein paar Leute nicht auf der Liste und bauten in sechs Tagen ein eigenes Camp. Mitgründer Andy Smith brachte den Unterschied auf vier Wörter: „like FOO but open." Die Mechanik dahinter liehen sie sich bei Harrison Owens Open Space, einer Methode aus den Achtzigern: Programm entsteht vor Ort, wer geht, geht.
Was das Wiki dazu festhält, im Original:
- „Anyone with something to contribute or with the desire to learn is welcome and invited to join."
- „No spectators, only participants." Wer kommt, gibt eine Session, hilft bei einer oder packt sonst irgendwo mit an.
- „All presentations are scheduled the day they happen. […] The people present at the event will select the demos or presentations they want to see."
- „No pre-scheduled presentations, no tourists."
- „Only three word intros." Kein Titel, keine Firma.
- Als Ergänzung: Produktwerbung in Sessions ist „discouraged", Firmenpitches sollen keine ganzen Slots belegen.
- Zum Geld: Geldspenden waren auf 200 Dollar gedeckelt, Sponsor*innen zahlten Stühle und Essen. „Donations cover our costs."
Zugegeben: Die oft zitierten acht Regeln hat Tantek Çelik als Parodie auf Fight Club geschrieben. Niemand kontrolliert sie, und viele Camps haben die Drei-Wort-Vorstellung längst gestrichen. Zieht man den Witz ab, bleiben aber drei Kernpunkte übrig, die das Wort tragen.
Erstens: offen für alle.
Zweitens: das Programm entsteht am Tag aus dem Raum.
Drittens: niemand ist Publikum.
Alles Weitere ist daraus abgeleitet. „Der Raum" meint dabei die Leute, die an dem Tag da sind. Der Sessionplan ist das Raster aus Räumen und Zeitslots, das diese Leute morgens selbst füllen, klassisch als Zettelwand, eine Session pro Zettel.
Darauf basierend meine sieben „Todsünden". Die meisten lassen sich leicht be(r)icht(ig)en, dann sind sie auch vergeben.
1. Die Agenda steht schon vor dem Event
Wochen vor dem Termin stehen Vortragende und Themen auf der Website, prominent, weil sie Tickets verkaufen. Das ist nachvollziehbar. Kontrollverlust macht Angst, und ein Lineup lässt sich besser bewerben als ein leerer Sessionplan.
Beim xyzcamp sind alle Slots an beiden Tagen in allen vier Räumen Wochen vorher vergeben. Nichts davon entsteht vor Ort. Genau das ist aber der Kern des Formats: „All presentations are scheduled the day they happen." Die Leute, die da sind, entscheiden am Tag selbst, was stattfindet. Erst dann zeigt sich, welches Wissen, welche Fragen und welcher Diskussionsbedarf im Raum sind. Ein Programmkomitee, das drei Monate vorher auswählt, macht exakt das, was das Format 2005 abgeschafft hat. Nur unter neuem Namen. Das ist keine Stilfrage, das ist der Unterschied zwischen den beiden Formaten.
Strittig hingegen: die Keynote. Warum geht die durch, wenn doch nichts vorab geplant sein soll?
Weil sich aus der Regel ein Test ableiten lässt. Die Regel schützt eine Sache: dass die Anwesenden den Sessionplan füllen, nicht das Orga-Team. Eine Keynote vor der Sessionplanung, die den thematischen Rahmen setzt, liegt außerhalb des Rasters und nimmt niemandem einen Slot weg. Ein kurzer Impuls zum Schluss auch nicht.
Ein gebuchter Vortrag um 14 Uhr in Raum 2 dagegen belegt einen Slot im Sessionplan, den die Anwesenden nicht mehr vergeben konnten. Der Test lautet also: Hätte der Raum darüber abstimmen können? Wenn nein, ist es Konferenz. Wer auf mehr gebuchte Beiträge nicht verzichten kann, hat einen sauberen Ausweg: „Konferenz mit Barcamp-Track" draufschreiben. Klingt weniger sexy, hält aber, was es verspricht.
Und der grüne Bereich: Es spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, schon vorher Ideen zu sammeln und sie sogar ins Schaufenster zu stellen, ob jemand Interesse daran hat. Aber: Auch diese Ideen müssen am Ende regulär durch die Sessionplanung gehen.
2. Der Ticketpreis als Türsteher
Ein öffentliches „Barcamp" ruft hohe dreistellige Preise auf, wie ein B2B-Kongress. Das xyzcamp mit 199 Euro für zwei Tage ist dafür kein gutes Beispiel, das ist ein richtig günstiger Konferenzpreis und passt zum Etikett Konferenz. Fast schon niedrigschwellig für eine Konferenz. Ich mag das.
„Anyone with something to contribute or with the desire to learn is welcome." Offen hieß 2005 nicht „öffentlich buchbar", sondern zugänglich. Das erste Camp kostete keinen Eintritt. Es lief über Spenden, gedeckelt auf 200 Dollar, und über Sponsor*innen, die Essen und Stühle bezahlten.
Der Deckel hatte einen Grund: Niemand sollte sich das Camp kaufen können. Der fehlende Eintritt auch: Kein Preis sollte jemanden draußen halten. Ein Ticketpreis ist ein Filter am Eingang. Er macht aus „offen für alle" ein „offen für alle mit Fortbildungsbudget".
Und er trifft auch das zweite Kriterium: Ein Programm, das aus den Anwesenden entsteht, kann nur so vielfältig sein wie die Anwesenden. Studierende, Selbstständige, Leute aus dem Ehrenamt, die Kollegin aus der Abteilung ohne Weiterbildungsetat: Wer die rausfiltert, filtert die Vielfalt raus, aus der der Sessionplan am Morgen entsteht.
Klar, Location und Catering kosten. Und sie kosten seit Corona spürbar mehr: Raummieten sind gestiegen, Catering auch, und Sponsor*innen rechnen schärfer nach als 2015. Ich verstehe jedes Orga-Team, das deshalb an den Ticketpreisen dreht. Trotzdem ist der Preis von allen Stellschrauben die einzige, die direkt auf die Offenheit durchschlägt.
Wenn die Kosten steigen, ist die Reihenfolge im Sinne des Formats deshalb: erst eine günstige Location sichern (Hochschulen und Firmen stellen Räume oft für lau, weil sie selbst etwas davon haben), dann mehr Sponsoring, und erst zuletzt das Ticket.
Was heißt das in Zahlen? Es kommt darauf an, wen das Camp einlädt.
Bei themenoffenen Barcamps, dem klassischen Stadt-Camp ohne Fachfokus, greift das Filter-Argument mit voller Wucht. Der Raum soll so breit sein wie die Stadt: Studierende neben Geschäftsführung, Ehrenamt neben Agentur. Genau diese Breite ist das Programm. Dort heißt es: kostenlos oder eine Schutzgebühr im niedrigen zweistelligen Bereich. Die deckt keine Kosten, sie senkt die No-Show-Rate, weil ein bezahltes Ticket eher genutzt wird als ein verschenktes.
Bei Fach-Camps sieht es anders aus. Da hat das Thema den Raum schon eingegrenzt, bevor der Preis ins Spiel kommt, und die Zielgruppe zahlt in der Regel aus dem Weiterbildungsbudget. Mein eigenes KANBANcamp kostet 129 Euro netto für zwei Tage, Getränke inklusive, und ich nenne es trotzdem Barcamp, ohne schlechtes Gewissen. Ein Gewinn springt leider trotzdem nicht raus.
Der Sessionplan entsteht morgens aus dem Raum, und der Raum ist so breit, wie er bei diesem Thema sein kann. Der Preis allein macht das Etikett also nicht kaputt. Er ist eine Stellschraube, und die Frage ist, ab wann sie den Raum enger macht als das Thema ohnehin schon.
Wo liegt die Grenze? Für mich da, wo der Preis nach Kongress aussieht, also hoch dreistellig. Ab da sortiert er Leute wie eine Gästeliste, und das Wort passt nicht mehr. Unterhalb davon gilt eine einfache Frage, egal was die Halle kostet: Bleibt wegen des Preises jemand weg, der oder die sonst gekommen wäre? Wenn ja, ist der Preis für diese Person zu hoch.
Dafür braucht es kein neues Etikett, sondern einen Satz auf der Website: Wer sich das Ticket nicht leisten kann, schreibt dem Orga-Team und bekommt eins, solange es finanzierbar ist. Das kostet ein paar Freikarten und hält die Tür offen, um die es dem Format geht.
Die Ausnahme: interne Corporate-Barcamps. „Alle" heißt dort: alle im Unternehmen. Die Firma trägt die Kosten, die Preisregel ist gegenstandslos.
3. Zwei Klassen im Raum
Speaker-Dinner, VIP-Badge, abgetrennte Lounge. Auf Konferenzen gehört das zum guten Ton.
Auf einem Barcamp gibt es strukturell keine Speaker-Klasse, weil es keinen anderen Weg nach vorne gibt als den Sessionplan. Regel 3: Wer präsentieren will, schreibt Namen und Thema in einen Slot, denselben Plan wie alle anderen. Regel 4: drei Wörter Vorstellung, kein Titel, keine Firma. Beides zusammen ist bewusstes Nivellieren, und der Grund steht in der Gründungsgeschichte.
Das Camp entstand, weil eine Gästeliste Leute in drinnen und draußen sortierte. Ein VIP-Bereich sortiert wieder, diesmal innerhalb des Raums. Foo Camp im Kleinen. Der CEO diskutiert mit der Berufsanfängerin auf derselben Höhe, weil beide auf demselben Weg in den Sessionplan gekommen sind. Deshalb Teilgeber*innen statt Speaker*innen: keine Wortspielerei, sondern eine Beschreibung der Struktur.
Die Ausnahme: ein Sponsor*innen-Dinner am Vorabend. Legitim, die Leute zahlen Blech und Brötchen, ein Dankeschön gehört dazu. Ab dem Check-in am nächsten Morgen gilt dann: ein Badge, ein Kaffee, ein Stuhl. Für alle. In der Praxis kommt Punkt drei ohnehin fast immer im Doppelpack mit Punkt eins: Wer Speaker*innen mit VIP-Status hat, hat sie vorher gebucht. Wer eins löst, löst meist beides.
4. Zuschauen wollen
Hinterste Reihe, Laptop auf, berieseln lassen. Am Buffet dann das Urteil: „Das Programm hat mir dieses Jahr nicht so viel geboten." Auf einem Barcamp ist das ein Eigentor.
Das steht so wörtlich im Wiki: „No spectators, only participants." „No tourists." Regel 8 verlangt sogar, dass Erstbesucher*innen präsentieren, und rudert im selben Satz zurück: muss nicht, aber wenigstens Fragen stellen und mitmachen. Die Latte liegt tief. Aber es gibt eine, und der Grund ist wieder das zweite Kriterium. Das Programm kommt aus dem Raum. Wenn der Raum zuschaut, kommt kein Programm.
Ein Barcamp ist kein Netflix mit fertiger Staffel, es lebt von dem, was die Leute mitbringen: eine schlaue Frage, ein Beispiel aus dem eigenen Laden, die Zusammenfassung ans Whiteboard, aufmerksames Zuhören. Wer sich nur bespielen lassen will, entzieht dem Format die Substanz, aus der es besteht. Kein Drama, es gibt genug andere Formate.
5. Death by PowerPoint
Raum abgedunkelt, jemand verschanzt sich hinter dem Laptop und klickt sich 45 Minuten durch 80 Folien in Schriftgröße elf. Am Ende bleiben „noch drei Minuten für Fragen", aber der Raum liegt längst im kollektiven Wachkoma.
Das steht in keiner Regel. Im Gegenteil, das Wiki sagt ausdrücklich „prepare in advance", Vorbereitung ist erwünscht. Wer 42 Minuten monologisiert und drei Minuten Fragen zulässt, macht aus dem Raum Publikum, diesmal von vorne. Dazu Regel 7: Sessions dauern so lange, wie sie müssen. Das Format passt sich dem Inhalt an. 80 Folien in 45 Minuten ist das Gegenteil: Inhalt, der für ein Konferenzformat gebaut wurde und jetzt im falschen Raum steht.
Mein Erfahrungswert: zehn, maximal fünfzehn Minuten Impuls, damit alle denselben Stand haben. Danach Laptop zu, reden. Die Zahl kommt aus keiner Quelle, sondern aus vielen Sessions: So lange trägt ein Input, ohne dass der Raum in den Konsummodus kippt. Die guten Momente kommen danach, wenn jemand aus der zweiten Reihe widerspricht und plötzlich drei Leute gleichzeitig etwas dazu sagen wollen. Das ist der Teil, für den die Leute gekommen sind, und der Grund, warum das Format als Werkzeug für Wissenstransfer so gut funktioniert.
Praxis-Tipp obendrauf: nie darauf verlassen, dass ein Beamer da ist. Eine Session kann ein Stuhlkreis in der Kaffeeküche sein. Wer ohne Folien hilflos ist, hat auf einem Barcamp ein Problem, und zwar keins mit der Technik.
6. Die Dauerwerbesendung
Für Agenturen, Tool-Anbieter und Berater*innen ist die Versuchung groß: ein Fachthema pitchen und die 45 Minuten dann nutzen, um das eigene Produkt zu verkaufen. Ich baue selbst ein Tool für Barcamps und kenne die Versuchung.
Das Wiki hat dafür eine eigene Zeile: Sessions, die ein Produkt oder eine Firma bewerben, sind unerwünscht, und wer etwas zeigen will, soll das in einem klar beschrifteten Demo-Slot tun, statt einen ganzen Session-Slot mit einem Firmenpitch zu belegen. Der Grund liegt wieder in der Mechanik: Der Raum hat morgens für ein Thema abgestimmt. Wer ein Fachthema in den Sessionplan schreibt und dann das eigene Produkt verkauft, hat die Abstimmung ausgetrickst. Das Wiki schlägt also denselben Ausweg vor: Etikett draufschreiben, dann ist es in Ordnung.
Eigene Cases erzählen, ein Tool nennen, wenn es Teil der Lösung ist, alles fein. Aber der Nutzen für die Leute im Raum steht im Zentrum, nicht die Pipeline. Wer die Session als getarnten Sales-Pitch fährt, verspielt Vertrauen. Und wird direkt bestraft: Das Publikum stimmt mit den Füßen ab, der Raum leert sich. Womit wir bei Nummer sieben wären.
7. Das gekränkte Ego
Mitten in einer Session steht jemand auf, nimmt den Kaffee mit und geht. Auf einer Konferenz gilt das als unhöflich. Wer eine Session anbietet und dann beleidigt guckt oder einen passiv-aggressiven Spruch hinterherschickt, hat das Format nicht verstanden.
Das Gesetz der zwei Füße stammt aus dem Open Space und ist simpel: Wenn du irgendwo weder etwas lernst noch etwas beitragen kannst, nimm deine zwei Füße und wechsle den Raum. Barcamps haben es übernommen, und zwar aus einem Grund, der über Höflichkeit hinausgeht. Ein Barcamp hat kein Programmkomitee, keinen Call for Papers, keine Kuration. Die einzige Qualitätskontrolle, die das Format hat, sind die Füße. Regel 5, so viele Sessions parallel wie Räume da sind, existiert genau deshalb: damit es immer eine Alternative gibt. Wer das Gehen bestraft, mit Blicken oder Sprüchen, schaltet diese Qualitätskontrolle ab. Dann steht am Ende jemand vor 30 Leuten, von denen 20 aus Höflichkeit bleiben, und niemand erfährt, dass die Session nicht trägt.
Erst-Teilgeber*innen kostet das Überwindung, wir sind alle auf Konferenz-Höflichkeit konditioniert. Umso wichtiger, dass die, die eine Session anbieten, es vorleben: Ego an der Tür abgeben, Fluktuation als normal behandeln. Wer bleibt, will da sein. Das ist ein besseres Publikum als jedes, das aus Anstand sitzen bleibt.
Wenn es kein Barcamp ist, wie heißt es dann?
Viele Orga-Teams scheuen das Wort Konferenz, es klingt nach Kongresszentrum und Krawatte. Dabei gibt es Alternativen, die passen:
Open Space. Wird oft synonym verwendet, ist aber die Vorlage, nicht die Kopie. Harrison Owen hat den Open Space um eine konkrete Aufgabe herum gebaut: ein Leitthema, oft eine Frage, und am Ende ein gemeinsames Ergebnisdokument. Das Barcamp hat die Mechanik übernommen und beides weggelassen, das Pflichtthema und das zentrale Protokoll. Dokumentiert wird dezentral, Regel 2: „You do blog about BarCamp." Wer nach dem Tag mit einer Maßnahmenliste rausgehen will, meint einen Open Space, und darf ihn auch so nennen.
Mitmach-Konferenz. Das Label für Hybride. Feste Agenda, aber viel Workshop, offene Diskussion, wenig Frontalbeschallung. Das ist eine moderne Konferenz und ein gutes Format. Ein Barcamp ist es nicht.
Konferenz mit Barcamp-Track. Siehe Punkt eins. Vormittags Bühne, nachmittags Sessionplanung. Funktioniert, wenn man es genau so ansagt.
Was auf die Einladung gehört
Kuratierte Konferenzen mit gebuchten Vortragenden, klarer Struktur und kostendeckenden Tickets sind legitim und für viele Ziele das richtige Format. Ich gehe selbst gelegentlich hin.
Wer aber „Barcamp" auf die Einladung schreibt, verspricht damit, was in dem Wort steckt: alle reinlassen, den Sessionplan den Anwesenden überlassen, niemanden zum Publikum machen. Hält das Event das nicht, verlieren zwei Gruppen. Wer Barcamps kennt, kommt wegen Freiheit und Augenhöhe, sitzt in einer Konferenz und kommt nächstes Jahr nicht wieder. Wer keins kennt, hält das jetzt für ein Barcamp und wundert sich beim nächsten echten, warum morgens noch kein Programm steht. Mit jedem solchen Event verliert das Wort ein Stück Bedeutung, und irgendwann zieht es nicht mehr.
Der einfachste Test vor dem Versand sind drei Fragen. Hält der Preis niemanden draußen, der oder die kommen wollte? Entsteht der Sessionplan am Tag aus dem Raum? Trägt jede*r etwas bei, statt nur zuzuschauen? Dreimal Ja, oder das Wort im Header tauschen. Die acht Regeln auf Deutsch gibt es zum Nachlesen. Kostet nichts, spart Ärger, und es ist am Ende das beste Marketing, das ein Event haben kann: Es hält, was draufsteht.
Das xyzcamp hat das richtige Wort schon in der eigenen Beschreibung. Es müsste nur das danach streichen. Die Kaffeeflat darf bleiben.