Barcamp vs. Konferenz
Das Unconference-Modell verstehen
Wer klassische Branchenveranstaltungen gewohnt ist, wird auf dem ersten Barcamp einen Unterschied spüren. Während traditionelle Konferenzen von Programmkomitees Monate im Voraus geplant werden, ist ein Barcamp eine teilnehmergesteuerte Unkonferenz, bei der die Teilnehmenden am Tag der Veranstaltung selbst das Programm erstellen.
Das BarCamp-Wiki formuliert es klar: „No pre-scheduled presentations, no tourists.“ Es gibt keine vorab festgelegten Vorträge, kein passives Publikum und keine starren Formalitäten.
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
| Merkmal | Klassische Konferenz | Barcamp (Unkonferenz) |
|---|---|---|
| Das Programm | Monate im Voraus vom Programmkomitee festgelegt. | Wird gemeinsam vor Ort bei der Eröffnung erstellt. |
| Die Vortragenden | Handverlesene Keynotes und gesponserte Pitches. | Jede Person mit einer Leidenschaft, einem Projekt oder einer Frage. |
| Das Publikum | Passive Zuhörer, die still dasitzen. | Aktive Teilnehmende, die diskutieren und beitragen. |
| Das Format | Starre Präsentationen und Frontalvorträge. | Interaktive Gespräche, Workshops und Fragerunden. |
| Flexibles Gehen | Erwartet wird, bis zum Ende des Vortrags zu bleiben. | Gesetz der zwei Füße: Gehen, wenn man weder lernt noch beiträgt. |
Keine Zuschauer, nur Teilnehmende
Bei einer klassischen Konferenz kann man leicht passiv in der letzten Reihe sitzen. Bei einem Barcamp ist Regel 6 aus dem BarCamp-Wiki klar: „No pre-scheduled presentations, no tourists.“ Alle sollen beitragen, sei es durch eine eigene Session, durch Fragen, geteilte Notizen oder Mithilfe bei der Organisation.
Regel 8 geht noch weiter: Erstbesucher müssen präsentieren. Das Wiki relativiert sofort: „Ok, you don’t really HAVE to, but try to find someone to present with, or at least ask questions and be an interactive participant.“ Es geht nicht um perfekte Vorträge. Es geht um Beteiligung.
Der Sessionplan entsteht spontan
Statt eines gedruckten Programmhefts mit Themen, die Monate zuvor ausgewählt wurden, entstehen Barcamp-Sessions aus dem, was die Teilnehmenden an diesem Tag besprechen wollen. Regel 3 aus dem Wiki: „If you want to present, you must write your topic and name in a presentation slot.“
Mitgründer Chris Messina beschrieb das Format als „designed around this unconference model where you had a grid [...] like a spreadsheet“, wo „people would just kind of come up with their topics and have conversations.“ In der Praxis pitchen die Teilnehmenden ihre Themen in ein, zwei Sätzen bei der Eröffnung, und der Tagesplan füllt sich in Echtzeit. Genau das macht barcamp.io: Es bietet das digitale Grid, in dem Sessions live eingetragen werden, sichtbar für alle, auf jedem Gerät.
Das Gesetz der zwei Füße
Kennst du das: in einer langweiligen Konferenz-Keynote sitzen bleiben, nur um höflich zu sein? Barcamps lösen das mit dem Gesetz der zwei Füße aus der Open Space Technology: Wer in einer Session weder lernt noch beiträgt, darf und soll aufstehen und woanders hingehen.
Dieses Prinzip, in den 1980er Jahren von Harrison Owen entwickelt, sorgt dafür, dass alle dort landen, wo sie wirklich sein wollen, und Sessiongeber ein engagiertes Publikum haben.
Leidenschaft vor Perfektion
Klassische Events priorisieren oft polierte Foliensätze und einstudierte Präsentationen. Barcamps priorisieren Leidenschaft. Eine Session muss kein Meisterkurs sein. Es kann eine Fünf-Minuten-Demo sein, eine Diskussion in die Tiefe oder ein Problem, bei dem man die Hilfe des Raums sucht.
Regel 7 aus dem Wiki unterstreicht das: „Presentations will go on as long as they have to.“ Wenn eine Session nach fünfzehn Minuten beendet ist, ist das in Ordnung. Wenn die Diskussion weiterläuft, verlegt man sie in den Flur. Das Format passt sich dem Inhalt an, nicht umgekehrt.
Quellen
Die Aussagen auf dieser Seite basieren auf folgenden Primärquellen.
- BarCamp-Wiki, „TheRulesOfBarCamp“, von Tantek Çelik. Die acht Originalregeln und zusätzliche Richtlinien. barcamp.org/TheRulesOfBarCamp (archiviert)
- Chris Messina, Interview mit Amit Panchal, 31. Januar 2020. Beschreibung des Barcamp-Formats als Raster „like a spreadsheet“. amitpanchal.com/interview-with-hashtag-inventor-chris-messina
- Wikipedia, „Open Space Technology“. Harrison Owen, vier Prinzipien und das Gesetz der zwei Füße. en.wikipedia.org/wiki/Open_Space_Technology