Was ist ein Barcamp? Unkonferenz und Open Space erklärt
Was ist ein Barcamp?
Ein Barcamp ist eine „Unkonferenz“ ohne vorher festgelegtes Programm. Die Teilnehmenden bestimmen die Agenda morgens vor Ort selbst. Das Format ist eng mit der Methode des Open Space verwandt und setzt auf aktive Mitgestaltung statt passives Zuhören.
Im Gegensatz zu klassischen Konferenzen gibt es bei einem Barcamp keine vorab gebuchten Speaker oder ein starres Programm. Es gibt keine reinen Zuschauer, sondern nur aktive Teilnehmer, oft auch „Teilgebende“ genannt.
Mitgründer Chris Messina beschrieb den Aufbau als "like a spreadsheet" mit Uhrzeiten und Räumen, in dem "people would just kind of come up with their topics and have conversations." Messina prägte 2007 auch den allerersten Twitter-Hashtag, #barcamp, damit Leute die Gespräche rund um Barcamp-Events verfolgen konnten.
Wie funktioniert ein Barcamp?
Der Tag beginnt mit der Sessionplanung. Wer ein Thema mitbringt, stellt es kurz im Plenum vor. Findet sich genug Interesse, bekommt die Session einen Raum und eine Uhrzeit. So entsteht ein Programm, das auf die Interessen der Anwesenden zugeschnitten ist.
- Keine Zuschauer, nur Teilgebende: Alle sind eingeladen, sich aktiv einzubringen, ob als Session-Host oder in der Diskussion.
- Themen aus Leidenschaft: Sessions entstehen aus dem, was die Teilnehmenden wirklich bewegt, nicht aus dem, was ein Programmkomitee Monate zuvor ausgewählt hat.
- Flexibles Programm: Die Agenda wird vor Ort gemeinsam erstellt und kann im Tagesverlauf angepasst werden.
- Lockere Atmosphäre: Gespräche entstehen ohne starre Vortragsformate, was echten Wissensaustausch fördert.
Die methodischen Wurzeln: Open Space Technology
Open Space Technology ist die Methode, die hinter den meisten Barcamps und Unkonferenzen steckt. Harrison Owen hat sie in den 1980er Jahren entwickelt. Sie basiert auf Selbstorganisation. Teilnehmende lösen komplexe Probleme gemeinsam in großen Gruppen. Barcamps haben diese DNA übernommen. Während Open Space oft für moderierte Fragestellungen in Organisationen genutzt wird, entstand das Barcamp als lockeres, netzwerkgetriebenes Format aus der Web- und Tech-Szene.
Die vier Prinzipien
- Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute. Die Anwesenden sind genau die, die da sein sollen, unabhängig von Titel oder Expertise.
- Was auch immer geschieht, ist das Einzige, was geschehen konnte. Konzentration auf das, was gerade passiert, statt auf das, was hätte sein sollen.
- Es beginnt, wenn die Zeit reif ist. Kreativität und Erkenntnis richten sich nicht nach dem Stundenplan.
- Vorbei ist vorbei. Produktiv sein: Gespräche nicht künstlich strecken, aber auch nicht abwürgen.
Das Gesetz der zwei Füße
Wer in einer Session nichts lernt oder beiträgt, wechselt den Raum. Dieses Prinzip gibt Teilnehmenden die Freiheit, ihr eigenes Programm zu gestalten, und sorgt für engagiertes Publikum bei den Session-Hosts.
Die meisten Barcamps haben diese Prinzipien neben ihren eigenen Regeln übernommen.
Woher kommt der Name „Barcamp“?
Die Geschichte hinter dem Namen ist ein Stück Netzkultur. Anfang der 2000er Jahre veranstaltete der Tech-Verleger Tim O'Reilly das Foo Camp (FOO steht für Friends of O'Reilly), eine Veranstaltung, zu der man nur auf Einladung kam.
In der Programmierung sind „foo“ und „bar“ klassische Platzhaltervariablen. 2005 organisierte eine Gruppe Entwickler und Web-Enthusiasten in der Bay Area ein eigenes, komplett offenes Gegenstück zum exklusiven Foo Camp. Aus „foo“ wurde „bar“, und das Barcamp war geboren.
In der Community wird das „Bar“ in Barcamp gern als „Bay Area Rejects“ gelesen. Matt Mullenweg schrieb später, dass Tantek Çelik im Jahr zuvor zum Foo Camp eingeladen war, 2005 aber nicht mehr, und dass Mullenweg selbst nie eingeladen worden sei. "A group of us put together a more 'open source' event in response," erinnerte er sich.
Laut dem BarCamp-Wiki wurde das Event von Tantek Çelik, Chris Messina, Matt Mullenweg, Andy Smith, Ryan King und Eris Stassi organisiert. Tantek Çelik erzählte später, dass die Idee am 10. Juli 2005 entstand und die eigentliche Planung am 13. August in einem Café in San Francisco begann. Sechs Tage später, am 19. August, eröffnete das erste BarCamp in den Büros von Socialtext in Palo Alto. Stassi erinnerte sich 2019, dass rund 200 Personen teilnahmen und Teilnehmende tatsächlich Zelte auf den Gehwegen und in den Hinterhöfen des Socialtext-Gebäudes aufstellten. Sie beschrieb BarCamp als „an open-source response to some of the closed-source tech that was happening in the Valley at the time.“
Mitgründer Andy Smith brachte den Unterschied auf den Punkt: "The problem is the exclusivity: everybody isn't invited. Meet BAR Camp, an open, welcoming, once-a-year event for geeks to camp out for a couple days with wifi and smash their brains together. It's about love and geekery [...] like FOO but open." Die Gründer stellten auch das Format selbst als Open Source bereit, damit jeder überall auf der Welt ein Barcamp veranstalten konnte.
Eris Stassi entwarf auch das Barcamp-Logo, ein Flammen-und-Signal-Logo, das Chris Messina vektorisierte und zwei Tage vor dem Event veröffentlichte.
Warum barcamp.io?
Ob euer Barcamp mit Klebezetteln, Whiteboards oder komplett digital läuft: barcamp.io funktioniert neben jedem Setup. Es ersetzt nicht das analoge Gefühl. Es ergänzt einen lesbaren, zugänglichen Plan, den alle auf dem eigenen Gerät abrufen können.
- Sofortige Sichtbarkeit: Alle sehen den aktuellen Plan auf dem Handy oder den Venue-Displays, ohne Handschriften aus der Ferne entziffern zu müssen.
- Einfache Session-Vorschläge: Teilnehmende reichen Sessions über ein simples Formular ein. Das entlastet die Eröffnungsrunde.
- Flexible Planung: Per Drag & Drop lässt sich das Grid im Tagesverlauf schnell anpassen.
- Überall verfügbar: Teilnehmende können den Plan von Handy, Tablet oder Laptop aus einsehen.
- Session-Fotos: Admins können ein Foto der physischen Haftnotiz oder Pitch-Karte machen und es an die digitale Session anhängen. Teilnehmende sehen die originale Handschrift direkt auf ihrem Bildschirm.
- Persönliche Favoriten: Teilnehmende markieren Sessions als Favorit oder Alternative und stellen sich ihren eigenen Tagesplan zusammen – ganz ohne Zettel und Stift.
Selbst wenn euer Barcamp komplett auf Papier und Filzstift setzt, nutzt barcamp.io zusätzlich. Ihr bekommt mindestens ein digitales Archiv des Tages und eine lesbare Alternative für alle, die die Handschrift von der letzten Reihe aus nicht entziffern können.